twenty-five years of solitude, 2011 - 2014, 12 of 250 photographs, series of GDR flag poles in East Berlin


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"25 years of solitude"


Seit Jahren versuchen nationale und internationale Wissenschaftler die Hinterlassenschaften der DDR zu erforschen. Historiker sammeln und versammeln Zeitzeugen, Dokumente und Bildmaterial, um der Nachwelt ein möglichst zusammenhängendes und objektives Bild dieses nicht mehr existierenden Staates liefern zu können. Berge von Akten und Archive dokumentieren die Fakten der DDR zur historischen Bewertung und Betrachtung durch die nachfolgenden Generationen. Museen und Gedenkstätten erinnern an die Opfer und die Gewalt dieses SED Unrechtsregimes. So vielfältig das Leben in der DDR war, so vielfältig sind auch die Perspektiven aus heutiger Sicht auf dieses verschwundene Land. Generationen von Künstlern und Kreativen versuchen ebenso, und nicht erst seit der Wende, sich mit dem weiten Thema “DDR“ auseinanderzusetzen und somit aufzuarbeiten, zu kommentieren und zu verstehen.2015 jährt sich am 03. Oktober zum 25sten Mal der Tag der Deutschen Einheit. Ein Grund auf einen wichtigen, aber völlig unbeachteten Gegenstand der ehemaligen DDR aufmerksam zu machen:


dem DDR Fahnenmast.


Politische Symbolik als Bedeutungsträger war ein wichtiger Bestandteil des öffentlichen Raumes der DDR. Sozialistische Monumente und politische Denkmäler galten ebenso wie Fahnen als wichtiges Ausdrucksmittel der Zugehörigkeit zu einem politischen System und als Zeichen der nationalen Identität. Neben den angeordneten wöchentlichen Fahnenappellen im Schulsystem wurden zu unzähligen Ehren- und Gedenktagen Fahnen, Banner oder Wimpel gehisst. Diese vom Staate bestimmten Tage wurden nach der Wende gestrichen. Die Zeichen des politischen Machtanspruchs der DDR auf den Territorien und Bereichen des öffentlichen Lebens sind bis heute überwiegend entfernt worden. Was sichtbar bleibt ist eine historische Spur.In der Fotoserie „25 Years of Solitude“ von 2011-2013 dokumentiere ich die unterschiedlichsten DDR Fahnenmasten die als ungenutzte und vergessene Relikte der DDR-Propaganda im öffentlichen Raum von Ost-Berlins von diesem anderen Staat zeugen.Diese meist unsichtbaren Überbleibsel mit ihrer seltsamen Anonymität im öffentlichen Raum und dem Verlust ihrer Eigenschaft sind für mich tragische und zugleich wichtige Zeitzeugen.Auf  250 Fotografien hinterfrage ich die kollektiven wie subjektiven Wahrnehmungen historischer Spuren im öffentlichem Raum und den Umgang damit. Gleichzeitig dokumentiert die Serie nicht nur eine Vielzahl von funktionslosen, alten DDR-Fahnenmasten, sondern auch Orte, Plätze, Architektur und Blickwinkel in ganz Ost-Berlin, wodurch eine höchst eigene Art der Topografie des "Ostens" entstanden ist. In meinem künstlerischen Werk sind die Spurensuche und Transformationsprozesse gerade im öffenlichem Raum eines der zentralen Themen.  Vor allem die Fragestellung nach der heutigen Bedeutung und Wirkung und die Funktion von Denk- und Mahnmälern in Zusammenhang mit Erinnerungsprozessen, finden sich in vielen meiner Arbeiten wieder. Ein zentrales Anliegen von mir ist es, die nie aufzuhaltende Veränderung des öffenlichen Raumes zu dokumentieren, sowie die Konsequenzen aus dem sozialen und politischen Wandel an einen für viele so banalen und unsichtbaren Objekt wie dem DDR Fahnenmast aufzuzeigen.